Der Furtner-Keller an der Wippenhauser Straße
Laut dem Heimatforscher Josef Scheuerl richtete der Furtnerbräuer Joseph Braun 1837 an der Ecke Wippenhauser Straße/ Kammergasse einen Kellerausschank ein. Möglicherweise waren Teile der Keller, die am dortigen Westabhang lagen, zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden. Jedenfalls wurde das Kellergrundstück von der Familie Braun ober- wie unterirdisch über rund 130 Jahre hin schrittweise um- und ausgebaut. Spätestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert dürfte der Furtner-Keller, wie der Ausschank genannt wurde, eine ähnliche Beliebtheit wie das Gasthaus in der Oberen Stadt erreicht haben.

Kernstück der Anlage bildeten die Kellergewölbe und das darüber liegende sogenannte Kellerhaus an der Südseite des Grundstücks, zum Graben und zur Stadtmauer hin. Das Baujahr des Kellerhauses ist derzeit nicht zu ermitteln, jedoch dürfte es um die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet worden sein. Auf den ältesten Plänen des Furtner-Kellers aus dem Jahr 1881 ist es bereits vorhanden. Ein Fassadenaufriss von 1903 zeigt ein zweigeschossiges Haus mit Galgenstockfenstern und einem schlichten Dach; der erkerartige Anbau eines Abortbereiches wurde in eben diesem Jahr realisiert und verlieh dem Gebäude ein etwas markanteres Erscheinungsbild. Unter dem Kellerhaus verliefen die Kellergewölbe in östliche, dann nach einem Knick in nördliche Richtung. Der Keller wurde mehrfach erweitert. An der Westseite des Grundstücks, zur Wippenhauser Straße hin, stand ein pavillonartiger Bau, das „Saletl“ genannt wurde. Hierin waren vor jeder Witterung geschützte Sitzplätze eingerichtet. Die Kegelbahn des Furtner-Kellers lag an der östlichen Grundstücksgrenze, relativ genau über dem Ostteil der Kellergewölbe. Ein prestigeträchtiges Neubauprojekt der Kegelbahn durch den Münchner Architekten Adolf Seiffhart von 1906 hatte man nicht realisiert. Zwischen Kellerhaus, Saletl und Kegelbahn lag der Biergarten des Furtner-Kellers.
In den 1920er und frühen 1930er Jahren kam dem Furtner- Keller eine politische Funktion zu. Als einer der regelmäßigen Treffpunkte der SPD, der lokalen Gewerkschaft und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, der paramilitärischen Vereinigung der SPD, des Zentrums und der DDP, war der Keller einer der Hauptschauplätze der Auseinandersetzungen im Vorfeld der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Freising. Am 17. Juli 1932 kam es hier zu einem schweren Straßenkampf zwischen Angehörigen des Reichsbanners und SA- und SS-Männern, bei dem mehrere Personen schwer verletzt wurden. Es handelte sich um keine gewöhnliche Auseinandersetzung, da weit mehr als hundert Personen in diesen Zusammenstoß verwickelt waren.
Der Furtner-Keller mit seinen schönen Gebäuden und seinem idyllischen Garten musste dem 1971/72 errichteten AOK- Hochhaus weichen.

Das Furtner-Anwesen