GESCHICHTE
Das Furtner-Anwesen
Alte Ansichten
Der Furtner-Keller
Die Besitzer des Furtnerbräus
Der Furtner-Brand 1886
In der Ausgabe vom 16. September 1886 des Freisinger Tagblatts wird erstmals auf das Brandunglück, das in der Nacht vom 14. auf den 15. September seinen Anfang nahm, eingegangen. Im Vergleich zur gewöhnlich eher knappen Berichterstattung der damaligen Redaktion fällt die Schilderung der Brandnacht recht ausführlich aus.
„Eines der größeren Brandunglücke suchte heute Nacht unsere Stadt heim. Um die Mitternachtsstunde brach im Furtnerbräuanwesen auf der Malzdarre Feuer aus. Das Element griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß von Mobiliar nur weniges gerettet werden konnte; Dienstboten, welche in der Nähe des Feuerherdes ihre Schlafstelle hatten, konnten mit Mühe das Leben retten. Nachdem auch vom Thurme herab das Feuersignal ertönte, war die Feuerwehr alsbald zur Stelle. Zugleich sammelte sich eine äußerst zahlreiche Menge Neugieriger, welche das unheilvolle Schauspiel herbeilockte, auf der Hauptstraße. An Wasser war gottlob kein Mangel und so konnten die auf dem Brandplatz rasch erschienenen Feuerwehren von Freising, Neustift, Vötting und Hohenbachern in Verbindung mit der hiesigen Steinecker’schen Fabrikfeuerwehr ihr Rettungswerk energisch betreiben. Ihrer Thätigkeit ist es namentlich zu verdanken, daß die links
und rechts vom Brandobjekt befindlichen Anwesen, obwohl sie theilweise schon von den Flammen ergriffen waren, vor Einäscherung bewahrt wurden. Namentlich war das Strasser’sche Anwesen ebenfalls in hoher Gefahr, doch ging es in dem hintern Rayon mit seinem Winkelwerk, und Häusercomplex glücklicherweise mit dem Brande des Hütt’schen Heustadels ab. Das Furtneranwesen selber brannte bis auf die Giebelmauern, welche heute noch rauchgeschwärzt in die Höhe ragen, langsam in sich zusammen, indem die fast völlige Windstille die lokale Beschränkung des Brandes erleichterte, während sonst eine ernste Gefahr für weitere Kreise hätte entstehen können. Genährt von brennbaren Stoffen, schossen bis zum Morgengrauen riesige Flammenzungen hochauf und ein sprühender Funkenregen senkte sich alle Augenblicke auf die Umgebung. Unserem tüchtigen Mitbürger, Herrn Braun, der von diesem Unglück heimgesucht wurde, geben wir die Versicherung der allgemeinen Antheilnahme an diesem traurigen Fall und wünschen zugleich eine, soweit es unter solchen Umständen möglich ist, möglichst günstige Abwicklung der Nebenumstände, auf daß an der Stelle, wo das anheimelnde und gut besuchte alte Anwesen gestanden, eine neue nicht minder beliebte und um so praktischere Heimstätte des Bierbrauers sich erhebe.“
In der darauffolgenden Ausgabe vom Freitag, 17. September 1886, findet sich ein weiterer Bericht zum Brand des Furtner-Anwesens, der den Ablauf des Unglücks noch konkreter vor Augen führt:
„Zum Brandunglück sind noch nachträglich mehrere Details zu berichten. Wenn auch der Verlust keines Menschenlebens zu beklagen ist, so war doch ein paarmal hohe Gefahr für derartige Verunglückung, namentlich beim Einsturze des Kamines, der unter fürchterlichem Gekrache gerade im Momente herniederstürzte, als das militärische Feuerpiquet am Hause vorbeigezogen war. Im Laufe des Nachmit- tags stürzte die freistehende Giebelmauer ein, nachdem der Wind sich erhoben hatte, brachte aber im Einsturze die untere Mauer zum Wanken, welche nach vorwärts, gegen die Hauptstraße zu, schrecklich sich ausbog, aber schließlich doch noch im Stande sich erhielt.

Ein grausiger Anblick war dieser Giebeleinsturz wie unter dem Geschrei der Zuschauer die Stücke krachend niederrasselten, in der glühenden Masse sich einbohrten und eine undurchsichtig schwarze Rauch- und Staubwolke aufwirbelten, die die ganze Umgebung momentan in dichteste Finsterniß hüllte. Bis zum späten Abend war die Brandstätte Gegenstand zahlreichsten Besuches. Alles gerieth in trauriges Erstaunen über diese totale Einäscherung eines Anwesens. Unsere Feuerwehr war den ganzen Tag über noch unermüdet thätig, voran ihr Hauptmann Herr Kaufmann Karl Schmidt. Opferwilligkeit, Umsicht, Thatkraft und Ausdauer der Feuerwehrleute verdienen alle Anerkennung. Wer die Leute sah, wie sie, der sengenden Glut trotzend, hoch oben am Nachbardache standen und am Rettungswerke arbeiteten, wie sie mit Lebensgefahr unter brennendem Gebälk oder hängendem Gemäuer ihrer Aufgabe sich entledigten; wie wesentlich ihrer Bemühung die Rettung der schon glühen- den Nachbaranwesen zu verdanken ist, der muß vor Hochachtung und Dankbarkeit erfüllt sein gegen die Leistung und Pflichteifrigkeit dieser Truppe. Wir glauben von einer speziellen Hervorhebung einzelner Feuerwehrcorps absehen zu dürfen. Der Nachmittags sich erhebende Wind drohte noch besondere Gefahr, insbesondere fürchtete man für Feueranfachung in der noch unversehrten Malzdarre (wo also der Brand nicht ausgebrochen sein kann!), aber es ging schließlich doch ohne neues Unglück ab, mit Ausnahme einer Personenverletzung, indem doch noch treue Diensterfüllung einem Feuerwehrmann Schaden brachte. Herr Anton Ostermann, Adjutant bei der Feuerwehr, wurde während er mit Löscharbeit beschäftigt war, von einem Glut- und Staubregen einer einstürzenden Decke überrascht und mußte, da er an Gesicht, Hals und Händen Brandwunden davontrug, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Schließlich müßte noch der äußerst muthigen Rettungsarbeit einer Reihe von Männern gedacht werden, die aus den verschiedenen Zimmern noch Mobiliargegenstände zu retten versuchten, als die Flammen schon ringsherum sich ausgebreitet hatten. Möge der Himmel unsere Stadt vor jedem weiteren derartigen Unglück bewahren!“